70 Jahre Geschwister-Scholl-Schule in Freiberg

„Wir schweigen nicht!“ So lautet der Titel eines literarisch-musikalischen Programms, welches Schüler der Klassenstufe 10 zum Gedenken an die Namensgeber unserer Schule einstudieren, den Geschwistern Hans und Sophie Scholl. 1949 entschied die Freiberger Stadtverordnetenversammlung, dass das Gymnasium in der Unterstadt ihren Namen tragen soll: Geschwister-Scholl-Gymnasium.

Erst vor kurzem stellte sich heraus, dass die Freiberger Räte die ersten in Deutschland waren, die einer Schule diese Namen gaben. In der 70-jährigen Geschichte unserer Schule gab es zahlreiche Projekte, Theaterprogramme, Vorträge und Filmvorführungen, die sich mit den Taten von Hans und Sophie sowie dem Wirken der Münchner Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ auseinandersetzten.  Auch Bildnisse und Dokumente sind im Schulhaus sichtbar. Im Kalenderjahr 2019 steht nun das 70. Jubiläum der Namensgebung des Gymnasiums an, welches mit verschiedenen Veranstaltungen und Projekten im Februar begangen werden soll und dessen Auftakt das Programm der Zehntklässler bildet. Das Textbuch erarbeiteten die Schüler des künstlerischen Bereiches mit ihrer Lehrerin Isolde Lommatzsch im Rahmen des Profilunterrichtes im vergangenen Schuljahr. Es beinhaltet Spielszenen, Ausschnitte aus Flugblättern und Tagebucheinträge von Sophie Scholl sowie thematisch passenden Lieder. Zu Beginn ihres Programmes legen die Jugendlichen persönliche Gründe dar, warum für sie die Auseinandersetzung mit der Thematik wichtig ist.

Eine Auswahl dieser Meinungen zeigt die Notwendigkeit sowie die Bereitschaft, sich immer wieder aufs Neue mit dem Leben der couragierten jungen Widerständler auseinanderzusetzen und zeigt deren vorbildhafte Wirkung.

Sharleen Leichsenring: Ich finde es gut, dass wir dieses Thema behandeln, da wir Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums darüber Bescheid wissen sollten, wieso unsere Schule überhaupt diesen Namen trägt. Es ist wichtig, diese Geschichte immer wieder aufzugreifen, da sich die Geschwister Scholl eingesetzt haben und dadurch auch große Vorbilder für uns sind.

 Louis Merker: Das Jubiläum ist ein wichtiger Akt, der nicht vergessen werden darf. Wir sollten uns die Taten von Sophie und Hans zum Vorbild nehmen und veranschaulichen, welchen Mut die beiden gehabt hatten.

 Merlin Hannawald: Die beiden Geschwister haben mit so viel Mut gehandelt und versuchten trotz großem Risiko, gegen Hitlers Herrschaft vorzugehen. Und das alles gewaltfrei, nur mit Hilfe des Verstandes. Sie verteilten Flugblätter, die den Menschen helfen sollten "aufzuwachen“. Und dann wurden sie wegen ihrem Willen zur Freiheit und zum Frieden hingerichtet.

 Julia Nestmann: Ich finde es wichtig, wenn wir auf diese Schule gehen, dass wir auch ein wenig mehr über das Leben der beiden Geschwister erfahren. Dieses Wissen will ich ebenfalls mit den Zuschauern teilen.

 Meret Kalkbrenner: Umso länger ich das Buch „Die Weiße Rose“ gelesen habe, umso mehr wurde ich stolz darauf, auf solch eine Schule zu gehen. Es war sehr interessant sich mit ihnen zu beschäftigen. Ich finde, die Geschwister Scholl waren tolle Menschen. Ich bewundere vor allem ihren Mut. Sie haben nicht aufgegeben. Und sogar mit ihrem Leben dafür bezahlt.

Geschwister – Scholl – Ehrung am 7. November 2012

Der Referent Prof. Dr. Hockerts (Foto: privat)

In Zusammenarbeit  mit dem Novalisforum sowie der Evangelischen und der Katholischen Studentengemeinde Freiberg lud das Geschwister-Scholl-Gymnasium den renommierten Historiker Prof. Dr. Hockerts (i. R.) von der Universität München zu einem Vortrag ein. Als Auftakt der Veranstaltung diente das Lied „Sophie“, gesungen und gespielt von Schülerinnen der Klasse 10. Anschließend führte der ehemalige Schulleiter Michael Albrecht die Thematik weiter ein, indem er an das Jubiläum zur Namensgebung der Schule im Jahr 2009 erinnerte und Pfarrer Laskowsky stellte in Kürze den Referenten des Abends vor. In dem interessanten Vortrag von Professor Hockerts wurden zunächst die Mitglieder der Widerstandsgruppe benannt, auch erläuterte er die Hintergründe zu den Aktivitäten der Weißen Rose und gewährte einen Einblick in seine Analysen der Flugblätter. Anschauliche Bilddokumente sorgten dabei für Abwechslung. So gelang es Hockerts, sogar bei Kennern der Thematik neue Blickwinkel auf die Gedanken und die Arbeit der Widerständler zu eröffnen. Eine bewegte Diskussionsrunde rundete den aufschlussreichen Abend ab, zu dem Schüler, Lehrer, Eltern sowie Mitglieder des Fördervereins und weitere Gäste erschienen waren. Sie alle spendeten beim abschließenden Dank durch Herrn Voigt von der Katholischen Akademie Dresden-Meißen kräftigen Applaus, wobei den Akteuren der Veranstaltung weiße Rosen überreicht wurden.

Luise Zanow (Flöte) und Josephine Neukirch (Gesang), Frau Lommatzsch (Klavier) (Foto: privat)

Die Weiße Rose - auf den Spuren der Geschwister Scholl

Billy Deger und Juliane Niendorf (Foto: I.Lommatzsch)

Unsere Schule trägt ihren Namen: Geschwister-Scholl-Gymnasium und die Schüler des künstlerischen Profils der Klassenstufe 10 (Jahrgang 2007/08) haben uns im Abschlussprojekt auf die Spuren von Hans und Sophie begeben, um mehr über diese couragierten jungen Menschen und die Widerstandsgruppe zu erfahren.
Anlässlich der Festveranstaltung zur Namensgebung wird das Programm auch im Jahr 2009 noch einmal aufgeführt. Schüler, Lehrer und Gäste sollen sich mit uns an Hans und Sophie Scholl erinnern. Zudem wird die Ausstellung der Weißen-Rose-Stiftung aus München zu sehen sein.
Ein Beispiel aus dem Tagebuch Sophies ist typisch für ihre kritische Weltsicht und zeigt ihre Forderungen an sich selbst:

„…denn muss nicht jeder Mensch, einerlei in welcher Zeit er lebt, dauernd damit rechnen, im nächsten Augenblick von Gott zur Rechenschaft gezogen zu werden? Weiß ich denn, ob ich morgen früh noch lebe? Eine Bombe könnte uns heute Nacht alle vernichten. Und dann wäre meine Schuld nicht kleiner, als wenn ich mit der Erde und den Sternen zusammen untergehen würde.“
(aus Sophie Scholls Tagebuch)

Die Arbeit der Mitglieder der Weißen Rose war voller Gefahren: Heimlich wurden Fugblätter verfasst, vervielfältigt und verteilt.

Szene: Sophie auf dem Weg zum Postamt in der Szene: „Weitergehn!“ (Foto: I.Lommatzsch)

Auch die Lieder im Programm verdeutlichen die Aktualität der Thematik:            Auszug aus dem Liedtext „Wann?“ von Rio Reiser

"Du sagst, du willst die Welt nicht retten,
Das ist dir alles ne Nummer zu groß.
Und die Weltenretter war’n schon so oft da,
Nur die meisten verschlimmbessern’s bloß.
Und doch fragt mich jeder neue Tag,
Auf welcher Seite ich steh.
Und ich schaff’s einfach nicht,
Einfach zuzusehen, wie alles den Berg runter geht. 

Wann, wenn nicht jetzt?
Wo, wenn nicht hier?
Wie, wenn ohne Liebe?
Wer, wenn nicht wir?" 

Für ihren Mut mussten Hans und Sophie Scholl, sowie weitere Mitglieder der Weißen Rose sterben. Wir wollen an sie erinnern, damit ihr Vorbild auch für unsere Generation bestehen bleibt.

Offener Brief zum 60. Jahrestag der Namensgebung

Liebe Schüler!

Seit September 1949 trägt unsere Schule die Namen von Hans und Sophie Scholl. Das „Geschwister-Scholl-Gymnasium“ wurde als eine der ersten Schulen in Deutschland so benannt. Die Freiberger wählten vor 60 Jahren im Schulausschuss und in der Stadtverordnetenversammlung diese Namen. Warum denn Geschwister-Scholl-Schule? 

Wer waren diese Geschwister, die sich in der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ gegen das damalige Hitler-Regime wendeten? Was wisst ihr über die Menschen Hans und Sophie? 

Hans und Sophie waren junge Leute, die Tagebücher und Briefe schrieben, die Flugblätter verfassten und verbreiteten, die Träume und Ängste hatten. In ihren Aufzeichnungen und durch ihre Taten kommen sie uns als Menschen nahe, die etwas bewegen wollten. Dafür mussten sie schließlich ihr Leben lassen. 

Wir können von ihnen so viel lernen: Courage, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren; Mut, für seine Ideale einzutreten und Tatkraft, eigene Ideen auch zu verwirklichen. Ihr Vorbild kann uns berühren, wenn es um unser eigenes Engagement, um Zivilcourage und zielgerichtetes Handeln geht. 

Nutzen wir die Chance zum „Scholl-Jubiläum“ im September 2009, Hans und Sophie neu zu begegnen, Unbekanntes über sie zu erfahren, von ihnen zu lernen. 

gez. I. Lommatzsch 

Die Weiße Rose lässt euch keine Ruhe!